von Pfarrer Hanns-Ulrich Becker
Für die nächsten vier Wochen bin ich bereits bei fünf Weihnachtsfeiern fest gebucht, inklusive Gebet und Programmbeitrag. Wahrscheinlich kommen noch mehr dazu. Jetzt habe ich gar nichts gegen Lebkuchen und Adventskränze, aber die ganze Sache ist mir so doch ein bisschen zu harmlos und gemütlich. Maria hat mit dem Jesuskind im Bauch schließlich nicht Weihnachtsfeiern absolviert, sondern – gesungen! Und zwar nicht „O Tannenbaum!“, sondern ein Revolutionslied, das vielen damals wie heute gar nicht passt.
„Advent“ – das heißt aus dem Lateinischen übersetzt: „Ankunft“. Maria er-wartet ein Kind. Und in diesem Kind, Jesus, die Ankunft Gottes in unserer Welt. Im Lukasevangelium in der Bibel lesen wir, was Maria singt und vom Kommen Gottes erwartet (Lukas 1,51-53): „Gott übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“. Wenn dieser Gott kommt, gerät die übliche Weltordnung durcheinander. Oben und unten, Macht und Ohnmacht werden umgekehrt. Gott stellt die Verhältnisse, in denen Menschen andere Menschen unterdrücken und unmenschlich behandeln, auf den Kopf. Maria hat das an sich selbst erfahren.
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